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Mit Lupenbrille und Lötstation - Ein Nachmittag im Repaircafé

Aus meinem Smoothie-Mixer ist vor einigen Tagen Rauch aufgestiegen und es hat mächtig gestunken. Ich hätte den Bärlauch kleinschneiden müssen, ups. Die Jungs vom Repaircafé nehmen es sportlich. „Indianisches Gerät“, sagt Hans, „mit Rauchzeichen.“ Er sucht einen passenden Griff für das Torx-Bit. Die Schrauben sind fünf Zentimeter tief im Gehäuse versenkt, was Hans nicht lustig findet. Sein Schraubendreherhals ist dafür zu breit.

Nach einer Weile sieht ihm Kurt über die Schulter, und auch Wolfgang kommt rüber. Die beiden sind gerade anderen Hilfesuchenden zur Seite gestanden, beim Reparieren, Werkzeugfinden, Fachsimpeln. Hier wird alles aufgeschraubt, was die Leute bringen. „Am häufigsten Kaffeemaschinen“, sagt Kurt. „Oft liegt auch nur Kabelbruch vor“, ergänzt Hans, während er die Schrauben herausdreht. Er hat inzwischen ein passendes Werkzeug gefunden. „Von Wolfgang, der hat einen schlanken Hals“, grinst er.

Mittlerweile haben sich auch Carl-Friedrich, Phat und Walter dazu gesellt. Eine halbe Stunde ist vergangen. Alle schütteln den Kopf über meinen ziemlich sauberen, weil kaum gebrauchten, und (ich schwöre…) nur ein einziges Mal überlasteten Mixer, der so verbaut ist, dass dem Otto-Normalverbraucher nur das Wegwerfen übrig bleibt. Oder eben das Repaircafé. Hier wird nicht nur gefachsimpelt, sondern auch demontiert, beraten, sichtgeprüft, funktionsgetestet, ausprobiert. Jeder der Ehrenamtlichen hat seinen Werkzeugkoffer. Sogar eine Lötstation gibt es hier. Und am Schluss hat der Fachmann noch einen Tipp fürs weitere Vorgehen. Will heißen: Reparieren, Ersatzteilkosten, Entsorgung, wie auch immer.

Hans will ganz sicher gehen, berät sich mit den Kollegen, durchdenkt jedes Szenario. Vielleicht ist es nur die Temperatursicherung. Doch schließlich ist klar: Die Motorwicklung ist angeschmort. Sogar auf der Isolierung sitzen Blasen, was Kurt mit einer Lupenbrille erkennen kann. „Die Herstellerreparatur käme einem Neukauf gleich. Da haben wir unsere Quote“, sagt er, „etwa die Hälfte der Geräte lässt sich reparieren. Gerade hatte ich eins, das geht jetzt wieder.“ Wie zur Bestätigung dudelt nebenan ein CD-Player, weiter hinten tönen die Mahlgeräusche eines Kaffeeautomaten.

Ich danke den Herren, zum Schluss auch Winfried, der das Repaircafé organisiert und den Interessenten dieses vierwöchentlichen Ereignisses den jeweils richtigen Fachmann an einem der Tische im Handarbeitsraum der Konrad-Kocher-Schule zuweist. Das Ganze hat Hand und Fuß, keine Frage. Hätte ich, ehrlich gesagt, nicht gedacht, dass es hier so professionell zugeht, ganz zu schweigen davon, dass man sogar noch sehr günstig Kaffee und Kuchen erstehen kann und einen genauso unterhaltsamen wie informativen Nachmittag erlebt.

Deshalb lautet meine Empfehlung: Unbedingt mal hingehen, es lohnt sich. Vor allem, wenn man bedenkt, was eine Reparatur kosten würde, gibt man gerne eine freiwillige Spende, um dieses Engagement zu unterstützen. Und die Jungs – die meisten sind Elektriker oder Mechaniker im Ruhestand – haben nicht nur Spaß, sondern auch richtig was drauf.

Sabine Krell/8.6.2017